„Anständig essen – ein Selbstversuch“

Karen Duve

 

Auf dem Cover steht: „Nach der Lektüre werden Sie ein anderer sein.“ Das würde ich so nicht sagen. Frau Duve schildert in ihrem Erfahrungswerk zwar alle Facetten unseres Essverhaltens und dessen Auswirkungen auf unsere Tierhaltung, aber meiner Meinung nach ist dies nur ein teilweise lustiges Buch zur Nahrungsumstellung.

Bei ihr liegt das Hauptaugenmerk bei den Tieren, nicht aber auf die körperlichen Auswirkungen tierischer Produkte, was für mich ein sehr sehr wichtiger Faktor ist. Auch wenn die Tiere geschützt und nicht ausgebeutet werden müssen, wird meiner Meinung nach dies nur durch die gesundheitliche Schiene kommen. Die Menschen ändern ihr Verhalten erst, wenn es ans eigene Geld oder die eigene Gesundheit geht - nicht aus Mitleid, denn dann hätten wir heute niemals so viele Mastbetriebe und so billiges Fleisch.

Interessant fand ich den Dialog zwischen den zwei Freundinnen: Jimmy, die sich überwiegend vegetarisch ernährt und die Autorin selbst, die ein neues „Experiment“ wagt.

Der Selbstversuch geht über Bionahrung, zu vegetarisch, weiter zu vegan und endet beim Frutarier - eine gewaltige Entscheidung, die innerhalb kurzer Zeit das Essveralten komplett ändern kann.

Sehr erheblich ist dabei, wie sich im Verlauf des Buches herausstellt, dass Karen diese Umstellung viel besser kann als Jimmy, auch wenn es ihr schwer fällt. Jimmy war vorher das schlechte Gewissen von Karen und jetzt kommt sie selbst in moralischen Zugzwang, da es nun um ihren eigenen nächsten Schritt geht – vegan.

Die Umstellungen werden als nicht immer einfach und schmackhaft beschrieben - kann ich nachvollziehen, auch ich bin kein Freund von Tofu-Schnitzel und Tofu-Würstchen geworden.

Es kommen aber auch für mich neue Erkenntnisse in diesem Buch zu Tage, z. Bsp. dass viele Weine mit Gelatine geklärt werden und daher eigentlich gar nicht vegan sind.

Zum Glück werden auch Vorteile dieser Ernährungsformen genannt, zum Beispiel, dass man nicht mehr so müde ist. Dies sind jedoch nur die oberflächlichen Veränderungen.

Eine endgültige Entscheidung fällt der Autorin jedoch schwer. Ein Spiegel unseres Moralverständnisses, aufgezeigt im Selbstversuch. Tiere quälen ist grausam, darf man nicht. Also isst man nur noch Bio-Hühnchen (denen es auch nicht sehr viel besser geht als ihren Artgenossen) und davon ein bisschen weniger und dann hat man seinen Beitrag geleistet.

Wenn man Informationen für einen momentanen Kaffeeplausch benötigt, kann man das Buch lesen. Wirklich überzeugend ist es nicht, aber für ein ruhiges Gewissen und ein „habe ich schon mal probiert“ reicht es.

 

 

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